Internationale Bodensee Hochschule

Fake News: Nach­hol­be­darf bei Infor­ma­ti­ons­kom­pe­tenz von Jugend­li­chen im Boden­see­raum

Exper­tinnen und Experten ent­wi­ckeln Online-Kurs für digi­tale Kom­pe­tenzen von Schü­le­rInnen

Kreuz­lingen, 1. Oktober 2019 – Jugend­liche aller Bodensee-Anrainerländer haben Nach­hol­be­darf bei der Recherche und Bewer­tung von digi­talen Infor­ma­tionen. Wiki­pedia und You­tube sind die wich­tigsten Quellen für Haus­auf­gaben und Refe­rate. Das ist das Ergebnis einer Studie der Inter­na­tio­nalen Bodensee-Hochschule mit den Uni­ver­si­täten St. Gallen und Liech­ten­stein sowie den Päd­ago­gi­schen Hoch­schulen Vor­arl­berg und Wein­garten. Die Exper­tinnen und Experten haben einen Online-Kurs ent­wi­ckelt und for­dern Maß­nahmen in der Leh­rer­bil­dung sowie im Unter­richt. 

Fake News – gezielte Falsch­mel­dungen also – bedrohen die Demo­kratie. Doch eine aktu­elle Studie der Inter­na­tio­nalen Bodensee-Hochschule zeigt: Gerade Jugend­liche, die mit den Mög­lich­keiten von sozialen Netz­werken und des Inter­nets auf­wachsen, ver­lassen sich leicht­fertig auf die Ergeb­nisse ein­fa­cher Google-Recherchen.

Für das Pro­jekt „Messen und För­dern der Infor­ma­ti­ons­kom­pe­tenz von Digital Natives im Boden­see­raum“ befragten die Uni­ver­si­täten St. Gallen und Liech­ten­stein sowie die Päd­ago­gi­schen Hoch­schulen Vor­arl­berg und Wein­garten 434 Schü­le­rinnen und Schüler. Die Jugend­li­chen im Alter zwi­schen 15 und 19 Jahren kamen aus Baden-Württemberg, Vor­arl­berg, Liech­ten­stein und der Ost­schweiz.

Die Ergeb­nisse bestä­tigen unsere Befürch­tungen, dass Jugend­liche online ver­füg­bare Infor­ma­tionen nutzen, ohne die Qua­lität oder Her­kunft zu hin­ter­fragen“, schil­dert Pro­jekt­lei­terin Kata­rina Stanoevska-Slabeva, Pro­fes­sorin am Institut für Medien- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ma­nage­ment der Uni­ver­sität St. Gallen. „Mehr noch: Die Jugend­li­chen schätzen sich bezüg­lich ihrer Infor­ma­ti­ons­kom­pe­tenz besser ein, als sie tat­säch­lich sind. Es fehlt ihnen das Bewusst­sein für das Thema.“

Wiki­pedia und You­tube als Quellen
Für die Schule nützen Jugend­liche in allen vier Bodensee-Anrainerstaaten vor allem Wiki­pedia (88 Pro­zent) und You­tube (69 Pro­zent). Blogs und andere Platt­formen spielen mit 14 bezie­hungs­weise 20 Pro­zent eine unter­ge­ord­nete Rolle. Auch von den Leh­rern werden im Unter­richt vor allem Wiki­pedia und You­tube ein­ge­setzt. WhatsApp wird von über 90 Pro­zent der Jugend­li­chen zum Aus­tausch mit Mit­schü­lern und Mit­schü­le­rinnen über den Schul­stoff ver­wendet, auch Haus­ar­beiten werden häufig hoch­ge­laden. Rund ein Drittel kom­mu­ni­zieren auch mit ihren Lehr­per­sonen über WhatsApp.

Rele­vante Unter­schiede zwi­schen den Län­dern gibt es laut der „Digital Natives“-Studie nicht: „Die Ergeb­nisse sind überall ähn­lich“, schil­dert Stanoevska-Slabeva. Wenig Unter­schiede zeigten die Schü­le­rinnen und Schüler auch in ihrer Selbst­über­schät­zung: Die von den Wis­sen­schaft­le­rinnen und Wis­sen­schaft­lern errech­nete objek­tive Infor­ma­ti­ons­kom­pe­tenz liegt in allen Län­dern unter der eigenen Ein­schät­zung („sub­jek­tive Infor­ma­ti­ons­kom­pe­tenz“).

Gezielte Maß­nahmen wichtig
Die an der Studie betei­ligten Wis­sen­schaft­le­rinnen und Wis­sen­schaftler sind sich einig: Der Umgang mit Infor­ma­tionen ist eine Schlüs­sel­kom­pe­tenz für unsere Gesell­schaft, aber auch für unsere Wirt­schaft. Infor­ma­ti­ons­kom­pe­tenz ist von der Bedeu­tung für das Leben und Arbeiten in einer digi­talen Gesell­schaft „ver­gleichbar mit dem Pro­gram­mieren“. Bei vielen Leh­re­rinnen und Leh­rern gebe es wenig Bewusst­sein für das Thema. Es liege vor­wie­gend am ein­zelnen Lehrer, ob es im Unter­richt the­ma­ti­siert werde, so der ernüch­ternde Befund.

Leh­re­rinnen und Lehrer sind teil­weise unsi­cher, in wel­cher Form sie digi­tale Infor­ma­ti­ons­kom­pe­tenz an die Schü­le­rinnen und Schüler wei­ter­geben können“, weiß Mar­tina Ott von der Päd­ago­gi­schen Hoch­schule Vor­arl­berg, eine der Mit­au­torinnen der Studie. Sie ist über­zeugt: „Infor­ma­ti­ons­kom­pe­tenz muss ver­stärkt Teil der Aus‑, Fort- und Wei­ter­bil­dung von Leh­rern und Leh­re­rinnen werden.“

Auch im Unter­richt müsse das Thema gezielt ver­an­kert werden: „Die Lehr­pläne sollten erwei­tert werden, es sollte detail­lierte Ziele für die ver­schie­denen Schul­stufen geben“, betont Ott. „Keines der Anrai­ner­länder sieht Infor­ma­ti­ons­kom­pe­tenz als großes Thema, überall ist es nur ein kleiner Teil des Unter­richts“, hebt Kata­rina Stanoevska-Slabeva hervor.

Online-Kurs als Chance
Eine gute Mög­lich­keit sehen die Betei­ligten aller vier Hoch­schulen im Angebot eines Online-Kurses zum Thema. Eine erste Ver­sion eines sol­chen „Mas­sive Open Online Course“ (MOOC) haben die vier Hoch­schulen im Rahmen des Pro­jekts ent­wi­ckelt. Er ent­hält Erklär­vi­deos und Lern­ma­te­ria­lien, Arbeits­auf­träge und ein Quiz zur Über­prü­fung des Lern­er­folgs. Leh­re­rinnen und Lehrer können Module aus­wählen und im Unter­richt ein­setzen.

Der MOOC wurde in sechs Klassen in Deutsch­land und Öster­reich getestet. Das Ergebnis ist ermu­ti­gend: „Die Schü­le­rinnen und Schüler haben etwas über digi­tale Quellen, die effi­zi­ente Suche und die Eva­lua­tion von Infor­ma­tionen dazu­ge­lernt“, freut sich Pro­jekt­lei­terin Kata­rina Stanoevska-Slabeva. Auch bei den Lehr­per­sonen sei das Bewusst­sein gewachsen.

Wei­tere Infor­ma­tionen: https://projekte.bodenseehochschule.org/proj.php?id=24&origin=list

 

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