Bodensee Meeting

micelab:bodensee – Ver­an­stal­tungen die berühren, sind auch lebendig

Eros und Reso­nanz als For­schungs­felder beim micelab:explorer II

Bre­genz, 25. Oktober 2017 – Mitte Oktober fand auf Schloss Mar­bach am Bodensee das zweite For­schungs­modul der Wei­ter­bil­dungs­platt­form micelab:bodensee statt. Thema des micelab:explorer II: „Eros und Reso­nanz – Was Ver­bun­den­heit ermög­licht“. Die 13 Labo­ranten waren Bran­chen­ver­treter und drei Impuls­geber aus den Dis­zi­plinen Musik­ver­mitt­lung, Wild­nis­päd­agogik und Reso­nanz­for­schung. Die Erkennt­nisse fließen in die kom­menden Lern­mo­dule sowie in das zweite micelab:extract ein, das für Sommer 2018 geplant ist.

Im ersten Labor – dem micelab:explorer I im Jahr 2016 – wid­meten sich die For­scher dem The­men­feld „Angst und Ver­trauen“. Kürz­lich ist dazu das erste micelab:extract erschienen. Im dies­jäh­rigen micelab:explorer II, das von 17. bis 20. Oktober auf Schloss Mar­bach am Bodensee (D) statt­fand, spürten 13 Labo­ranten „Eros und Reso­nanz – was Ver­bun­den­heit ermög­licht“ nach.

Ger­hard Stübe, Geschäfts­führer Kon­gress­kultur Bre­genz und Lead­partner der Wei­ter­bil­dungs­platt­form für Ver­an­stalter micelab:bodensee: „In den For­schungs­mo­dulen gehen wir jeweils inter­dis­zi­plinär der Frage nach, wie wir Ver­an­stal­tungen lebendig gestalten können. Unsere These lautet: Jede Ver­an­stal­tung ist ein gesell­schaft­li­cher Mikro­kosmos und spie­gelt wider, wie Men­schen leben, lernen, kom­mu­ni­zieren und ein­ander begegnen.“

Um sich dem For­schungs­feld aus unter­schied­li­chen Blick­win­keln zu nähern, luden die Macher des micelab:bodensee drei Impuls­geber ins dies­jäh­rige Labor ein: den Reso­nanz­päd­agogen und Moti­va­ti­ons­for­scher Wolf­gang Endres, den Musik­ver­mittler und frei­schaf­fenden Künstler   Johannes Voit sowie den Wild­nis­päd­agogen und Per­sonal Trainer Chris Schorpp.

Reso­nanz nährt Leben­dig­keit
Schon Klei­nig­keiten führen zu Reso­nanz, stellten die 13 For­scher fest: Mor­gend­li­ches Singen und Bewegen sowie der gemein­same Tages­ab­lauf mit Über­nach­tung im selben Haus sorgten für Ver­bun­den­heit und eine wert­schät­zende, wache Atmo­sphäre. „Reso­nanz ist kein eso­te­ri­scher Vor­gang, son­dern Aus­druck für leben­dige Bezie­hungen“, betont Tina Gadow, Veranstaltungs­dramaturgin und Kura­torin des micelab:bodensee. „Wenn der Funke über­springt, uns etwas berührt, sind wir in Reso­nanz und es kann Neues ent­stehen. Besteht ein Ver­langen danach, dran zu bleiben, ist auch Eros im Spiel.“

Wie wichtig archai­sche Rhythmen sind, zeigte Wild­nis­päd­agoge Chris Schorpp: „Als Teil der Natur ist der Mensch vom natür­li­chen Tages­ab­lauf abhängig – auch seine Lern­pro­zesse.“ Die natür­liche Abfolge von Inspirations‐, Aktivitäts‐, Entspannungs‐, Refle­xi­ons­phasen usw. sorgt für Reso­nanz und Ver­an­ke­rung von Erfah­rungen. Feh­lende Ruhe­phasen führen schlimms­ten­falls zu Erschöp­fung und Erlahmen von Reso­nanzen. Die explorer erkannten: von den acht, der Natur nach­emp­fun­denen Lern­phasen finden sich in Ver­an­stal­tungen meist nur drei wider.

Reso­nanz braucht Zeit und Muße
Schorpp lei­tete die For­scher an, auf die eigenen Sinne zu ver­trauen und mutig die Umge­bung zu erkunden: Barfuß und blind gingen sie ent­lang einer dünnen Schnur durch ein Wald­stück. Auf die MICE‐Branche über­tragen heißt das: Mit offenen Sinnen, Zeit und Muße nehmen wir die Umge­bung wahr. So können wir in Reso­nanz treten, die Sinne anderer berühren und Gelerntes ver­tiefen. Auch mit geschärften Sinnen durchs eigene Haus zu gehen, macht sichtbar, welche Res­sourcen – Reso­nanz­räume – schon da sind. Meist liegt der Fokus auf dem was fehlt.

Reso­nanz­ver­stärker versus Reso­nanz­killer
Wie Reso­nanzen ver­stärkt werden können, zeigte Reso­nanz­päd­agoge Wolf­gang Endres an einem Bei­spiel: Ein Rät­sel­bild blen­dete er nur kurz ein und blieb die Ant­wort zunächst schuldig. „Die Moti­va­tion wächst, wenn ein Bedürfnis ver­stärkt wird.“ Die Zuhörer schenken dem Redner volle Auf­merk­sam­keit, bis dieser das Rätsel auf­löst. „Zu viel Zeit darf nicht ver­strei­chen, sonst droht der Vor­tra­gende seine Zuhörer zu ver­lieren.“ Den rich­tigen Zeit­punkt spüre man in Reso­nanz­be­zie­hungen – so seine These.

Reso­nanz lässt sich nicht planen, stellten die For­scher fest. Sie erkannten jedoch  „Reso­nanz­killer“ in Ver­an­stal­tungen: Neben feh­lender Zeit und Muße gehören vor­weg­ge­nom­mene Ergeb­nisse sowie das Denken in Richtig oder Falsch dazu. Wolf­gang Endres betonte: „In Reso­nanz­be­zie­hungen gibt es weder Gewinner noch Ver­lierer.“ Nega­tive Bewer­tungen lösen meist Gegen­wehr aus und das Gegen­über begibt sich in die innere Emi­gra­tion. Hef­tiges Argu­men­tieren wirkt ähn­lich: In beiden Fällen wird Reso­nanz unter­bunden.

Lern­typen anspre­chen
Men­schen haben unter­schied­liche Lern­be­dürf­nisse. Da sich jede Gruppe aus vielen Lern­typen zusam­men­setzt, sollten ver­schie­dene Reso­nanz­ka­näle bedient werden: Wäh­rend die einen mit System lernen, tun dies andere durch Lehren, durch Intui­tion (Bauch­ge­fühl) oder Para­doxie. Endres brachte ein anschau­li­ches Bei­spiel für letz­teres: Die Aus­sage „Das ist unwichtig, das können sie ver­gessen!“ macht meist neu­gierig auf das, was kommt. Sie ver­stärkt das Ver­langen (Eros), mehr zu erfahren. Gut dosiert bleiben die Zuhörer „am Ball“.

Plä­doyer für Offen­heit
Durch den Input von Musik­ver­mittler Johannes Voit erfuhren die For­scher, dass Schwin­gungen nur ent­stehen, wenn Hörer offen sind. Am Bei­spiel eines zeit­ge­nös­si­schen Musik­stücks machte er den For­schern klar: „Man muss moderne Musik nicht ‚ver­stehen’. Die Hör­hal­tung ist ent­schei­dend – die Neu­gier, sich ein­zu­lassen. Dann ist Reso­nanz mög­lich, auch wenn das Stück letzt­lich nicht gefällt.“ Fixe Mei­nungen sind dem­nach eben­falls Reso­nanz­killer, lau­tete die Erkenntnis – auch in Bezie­hungen zu Kunden und Geschäfts­part­nern.

Einen Schritt weiter geht „Aktives Zuhören“. Die For­scher tes­teten dies beim „Gehspräch“ im Park. Sie erfuhren dabei, dass aktives Zuhören und Gehört werden Muße zulässt und Reso­nanz­räume öffnet. Ein Teil­nehmer bezeich­nete das Gehspräch sogar als „Lern­spa­zier­gang, bei dem man ins Schwingen gerät und Gedanken wei­ter­ent­wi­ckeln, davon abschweifen oder sie ver­werfen kann.“ Eine Hal­tung, die auch bei der Pla­nung von Ver­an­stal­tungen hilft.

Infor­ma­tionen unter www.micelab-bodensee.com.

 

Über micelab:bodensee
micelab:bodensee ist die erste interaktive Weiterbildungsplattform für Veranstalter im deutschsprachigen Raum. Sie wurde von den Netzwerken BodenseeMeeting und der kongress tanzt entwickelt und startete im Oktober 2016. micelab:bodensee umfasst drei Module mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Alle Module des micelab:bodensee haben den erkundenden Charakter eines Labors.

Beim Modul micelab:explorer liegt der Fokus auf der Forschung mit Impulsgebern aus unterschiedlichen Disziplinen. Es ist als Ideenschmiede angelegt. micelab:experts und micelab:experience richten sich an die Praktiker der MICE-Branche, also an Mitarbeiter aller Gewerke in Veranstaltungshäusern, Eventagenturen, Kulturinstitutionen und Marketingverantwortliche von Wirtschaftsbetrieben. Im micelab:extract fließen die Forschungsergebnisse eines Jahres ein. Band I zum Thema „Angst und Vertrauen“ ist im Sommer 2017 erschienen. Band II ist für Sommer 2018 geplant.

Als Kuratoren zeichnen die Veranstaltungsdramaturgin Tina Gadow und der Journalist Michael Gleich vom Netzwerk der kongress tanzt verantwortlich. Das micelab:bodensee wird unterstützt durch das Interreg V-Programm Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein mit Fördermitteln der Europäischen Union und der Schweiz.

Infos unter www.micelab-bodensee.com

 

Rück­fra­ge­hin­weis für die Redak­tionen:
Bodensee Mee­ting (Kom­mu­ni­ka­tion), Urs Treu­thardt, 0043/5574/43443–12, urs.treuthardt@bodensee-vorarlberg.com
Bodensee Mee­ting (Spre­cher), Mag. Ger­hard Stübe, 0043 /5574/ 413–301, gerhard.stuebe@kongresskultur.com
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