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Profil schärfen: Durch Rei­bung ent­steht Wärme

Sagen, was Sache ist. Wofür man steht. Und wofür nicht. Das ist in den Chef­etagen von Unter­nehmen und Orga­ni­sa­tionen oft selbst Gegen­stand hit­ziger Debatten. Und doch: Das eigene Profil zu schärfen ist einer der wesent­li­chen Erfolgs­fak­toren in der Kom­mu­ni­ka­tion. Teil 3 unserer Blog-Serie zu meinen Lehren aus der Zeit im Ministerium.

Als der nie­der­ös­ter­rei­chi­sche FPÖ-Gesundheitslandesrat Chris­toph Luisser in einer Pres­se­kon­fe­renz zum FPÖ-üblichen Corona-Impfbashing ansetzte, schnappte ihm Johannes Rauch – ehr­lich empört – die Mikros weg. Der Gesund­heits­mi­nister stellte die Fakten in wenigen Sätzen klar und brach die Pres­se­kon­fe­renz ab. Die inhalt­lich sonst unbe­deu­tende Pres­se­kon­fe­renz schaffte es bis in die Zeit im Bild und in der Folge in alle Medien. Klarer kann man seine Posi­tion nicht machen.

 

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In meinen drei Jahren im Sozial- und Gesund­heits­mi­nis­te­rium haben wir sorg­fältig aus­ge­wählt, zu wel­chen Themen der Minister Kon­flikte öffent­lich aus­trägt. Wo nützt eine emo­tional geführte Debatte, wo schadet sie? Wer ist der Gegner, mit dem ein Kon­flikt öffent­lich aus­ge­tragen wird? Impfen war eines dieser Themen, die Blo­ckade der Ärz­te­kammer gegen Gesund­heits­zen­tren (soge­nannte Pri­mär­ver­sor­gungs­ein­rich­tungen) ein anderes. Heftig und auch öffent­lich aus­ge­tragen haben wir die Dis­kus­sion mit den Bun­des­län­dern über Struk­tur­re­formen im Gesundheitssystem.

Profil schärfen geht, zuge­geben, als Minister des größten Res­sorts dieses Landes ein­fach: Mit­ten­drin in der innen­po­li­ti­schen Debatte. Themen ohne Ende. Corona, Ärz­te­mangel, Medi­ka­men­ten­mangel, Krise in der Pflege, Infla­tion und Armuts­be­kämp­fung, Siche­rung der Pen­sionen. Hohe Auf­merk­sam­keit der Medien.

Traut Euch!

Doch, ja, das geht auch in der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­tion: Was sagt das Bau­un­ter­nehmen zur Novelle des Raum­pla­nungs­ge­setzes? Wie geht es einer Ver­mitt­lungs­agentur mit der bevor­ste­henden Reform der 24-Stunden-Betreuung? Wie fühlt sich ein Ein-Personen-Unternehmen, wenn sich die Wirtschaftskammer-Bosse eine Gehalts­er­hö­hung um 60 Pro­zent gönnen?

Es geht nicht darum, zu allem eine Mei­nung zu äußern. Es geht darum, die eigenen Werte und damit auch das Unter­nehmen sichtbar zu machen. Erzählen, wes­halb man von einem Pro­jekt begeis­tert ist – und ein anderes abge­lehnt hat. Wo man inves­tiert und warum. Welche Pro­dukte etwas taugen und von wel­chen man Kun­dinnen und Kunden abrät. Authen­tisch zu kom­mu­ni­zieren, wofür man steht.

Unser Kunde Hansesun zeigt das immer wieder. So trennte er sich Ende 2024 von all seinen Teslas – ganz früh, zu einem Zeit­punkt, als das noch nicht en vogue war. Die Folge: Bericht­erstat­tung regional wie über­re­gional, viel posi­tive Rück­mel­dungen der Kund:innen, eine klare Posi­tio­nie­rung für Umwelt­schutz und Demokratie.

 

 

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Ein Bild braucht Konturen

Das Bild eines Unter­neh­mens und einer Orga­ni­sa­tion braucht klare Kon­turen. Profil schärfen ist des­halb eine wich­tige Auf­gabe jeder Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­tegie. Hal­tung zeigen. Sich ein­bringen in aktu­elle Debatten. Medien berichten beson­ders gerne über Kon­flikte. Nicht nur in der Zei­tung, im Radio oder im Fern­sehen ent­steht Auf­merk­sam­keit, auch Social-Media-Kanäle pro­fi­tieren. Nur durch Rei­bung ent­steht Wärme.

Profil schärfen bedeutet: Man muss nicht Everybody’s Dar­ling sein, um als Unter­nehmen erfolg­reich zu sein. Es reicht, wenn einen die eigenen Kun­dinnen und Kunden schätzen.

Auf einen Blick: Profil schärfen

  • Werte eines Unternehmens müssen in der gesamten Kommunikation spürbar werden
  • Sich einbringen in aktuelle Debatten ist eine Chance für Berichterstattung
  • Konflikte erhalten viel Aufmerksamkeit und zeigen klar, wofür ein Unternehmen steht
  • Klare Positionierung stärkt die Bindung der eigenen Kund:innen

 

Gespannt? In zwei Wochen geht’s weiter in unserer Blog-Serie -> Authen­tisch und trans­pa­rent kommunizieren