Pzwei. Blog.

Pzwei. fragt nach

Ist Bloggen Journalismus? Sind Blogger Journalisten?

Jeder kennt diese Situation, man sitzt beisammen, redet über etwas Belangloses, plötzlich fällt ein Stichwort. Kurz darauf ist die eben noch so einträchtige Runde in zwei heftig diskutierende Lager entzweit. So ähnlich, aber mit wenig Heftigkeit, ist es bei der montäglichen Teamsitzung passiert. Das Stichwort hieß „Blogger“. Schon waren wir mitten in der Diskussion. Sind Blogger Journalisten? Kann, soll oder muss Bloggen als Journalismus gelten?

Die Kontroverse endete in einer guten Idee: Fragen wir doch die Blogger selbst, was sie dazu meinen und machen einen Blogbeitrag daraus. Gesagt getan, hier sind die Ergebnisse:

Florian Wassel
https://mediumcom/@Flo_Wassel
Bloggen bedeutet für mich im Kern: der Blogger vertritt seinen ureigenen Standpunkt zu einem bestimmten Thema. Der Journalist hingegen hat klassischerweise die Aufgabe über einen Sachverhalt neutral zu berichten. Insofern sind die Extrempunkte durchaus verschieden, die Schnittmenge, wie Reportagen, Kolumnen oder Storys sind aber in einer Grauzone anzufinden. Für mich ist das aber „Haarspalterei“. Guter, relevanter Content kann überall entstehen. Die Geschichte des Journalismus zeigt überdies, bis Anfang des 20. Jahrhunderts vertrat der Journalist meist eine subjektive Meinung. Erst die Konsolidierung am Markt in der Nachkriegszeit führte zu einer „Objektivierung“. Insofern erleben wir in meinen Augen heute eher eine Gegenbewegung hin zu „subjektiven Meinungen“. Ich empfinde dies als Bereicherung.

Stefan Hagen
hgn.io/blog
Ich würde die Frage anders formulieren: Was ist guter Journalismus? Guter Journalismus versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen - mit einer aufklärerischen und neugierigen Grundhaltung. Außerdem wird guter Journalismus immer von diesem Aspekt geprägt sein: er ist vorurteilsfrei.
In der Journalistenszene gibt es ein stark verankertes Standesdenken und ein damit einhergehendes Regelsystem. Das kann unfrei machen. Ein guter Journalist muss frei sein. Hier haben es Blogger oft leichter. Sie werden von keinem Regelwerk beschränkt. Sie können sich ausprobieren, experimentieren, auch provozieren.
Ich sehe das Bloggen nicht als Antithese zum Journalismus. Ich sehe es als weitere Möglichkeit, als Chance, als neue Facette, als Freiraum, für gut gemachten Journalismus.

Clarissa Shannon Berner
allesabgefeiert.wordpress.com
Ich glaube, es gibt solche und solche. Manche sehen sich als solche, manche nicht. Meines Erachtens hängt es auch stark vom Thema, unter dem der Blog geführt wird, ab. Ein persönlicher Blog wie ein Konzert-Tournee-Tagebuch würde meiner Meinung nach nicht in das Genre Journalismus fallen. Wenn ich persönlich an Journalisten und Journalismus selbst denke, schweifen meine Gedanken automatisch ab - Zensur, bestimmtes Verhalten, Schreibweisen. Ein Blog ist etwas Persönliches. Da schreibt einem keiner vor, wie oder über was und in welchem Stil man zu schreiben hat. Wenn es einer Person gefällt, Artikel lediglich in Kleinbuchstaben zu schreiben, dann ist das in einem Blog völlig okay - das macht ihn persönlich und schafft einen Wiedererkennungswert, der nur einem selbst gebührt.

Jürgen Kondert
buntelebensreise.com
Um diese Frage zu beantworten muss man zuerst wissen, was Journalismus ist. Die freie Journalisten Schule in Berlin antwortet hier wie folgt: „Zu den Haupttätigkeiten eines Journalisten gehören Recherchieren, Dokumentieren, Formulieren, Redigieren, Präsentieren, Organisieren und Planen.“ Diesem Anspruch werde ich als Urlaubsblogger wohl nicht gänzlich gerecht. Blogger betreiben Journalismus in einem begrenzten Ausmaß. Vorwiegend werden persönliche Aktivitäten und Erfahrungen wiedergegeben. Es ist sicherlich auch einiges Informatives dabei. Neben dem Spaß des Bloggens erhält man zudem eine schöne Zusammenfassung seiner Erlebnisse.

Martin G. Wanko
m-wanko.blogspot.co.at
Das kommt darauf an. Wenn sie sich als solche fühlen, ja. Ich kann auch als Gartenwürmer-Blogger Journalist sein. Problem ist immer oft, ob das “rechtlich” hält. Laut Journalisten-Recht musst du ja ca. 700 EUR im Monat verdienen um als solcher anerkannt zu werden. das ist als freischaffender Blogger schwer möglich, gerade wenn man jetzt nicht so sehr auf Masse aus ist. Die Frage ist für mich auch, wollen Blogger Journalisten sein, oder nicht eher so etwas wie Autoren. Journalist klingt halt für junge Blogger oft ein bisserl verschnarcht und ein großes Medium nach Zensur. (Beispiel: Dass dir die letzte Wurstsemmel vom Billa nicht geschmeckt hat, kannst in einer österreichischen Tageszeitung nicht schreiben, als Blogger schon.) Ist Bloggen also Journalismus? So lange er objektiv Nachrichten macht “ja”, sonst ist es PR im Stil eines Blogs. Meinung ist aber auch Journalismus (Jede Besprechung, jede Kolumne ist ja eine Meinung). Die ganze Kultur und das halbe Feuilleton leben ja von Meinung. Hier zählt für mich ebenso die Unabhängigkeit, zu schreiben was man will.

Ein kurzes Pzwei.-P.S.: Ziel war es männliche wie weibliche Blogger in gleicher Zahl zu Wort kommen zu lassen. Leider ist uns dies nicht gelungen. Die meisten Bloggerinnen lehnten freundlich mit folgendem Argument ab: „Ich kann da nicht mitreden.“ Auch eine Antwort, die wir so im Raum stehen lassen. Eventuell Stoff für einen weiteren Blogartikel 😉

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