Pzwei. Blog.

Stil kann man kaufen …

... und zwar bei uns! Wir haben jene 10 hochsprach-/-schriftliche Unsitten zusammengestellt, wo sich unsere Nackenhaare sträuben tun und unsere Zehennägel aufrollen. Daher werden Sie so etwas bei uns nicht lesen. Und wenn doch, bekommen Sie Ihr Geld zurück. Versprochen.

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Nr. 10 der größten Sprach-Don‘ts: Dasselbe ist nicht das Gleiche. „Dieselbe CD habe ich auch“ zeugt folglich nicht von großer Sprachbeherrschung. Der-, die-, dasselbe bezeichnet ein einziges, der, die, das Gleiche mehrere idente Dinge.

Zwiebelfisch

In eine ähnliche Kerbe schlägt unser Platz 9: Vergleiche Gleiches mit „wie“, Ungleiches mit „als“. „Ich bin klüger wie du“ ist krass, nämlich krass falsch.

Zwiebelfisch

Auf Rang 8 geschafft hat es: Missbraucht „tun“ nicht als Hilsverb! Tun ist vielseitig einsetzbar, aber in den wenigsten Fällen als Hilfsverb. „Ich tu mir die Stadt anschauen“ ist also ein No-Go. Das wiederum ist ein Scheinanglizismus, aber dazu kommen wir später …

Zwiebelfisch

An Position 7 haben wir ein Sprach-Phänomen, das in erster Linie den Nachwuchs betrifft: Das konstituierende Element des Satzes ist das Prädikat. Folgerichtig ist „kann ich die Butter“ ein rhetorisches Nullum und darf unter keinen Umständen mit dem Überreichen des tierischen Streichfettes positiv sanktioniert werden!

6. „Was Deutsche und ÖsterreicherInnen trennt, ist die gemeinsame Sprache.“ Dieses Bonmotscherl ist zwar mitnichten von Karl Kraus, aber nichtsdestoweniger trefflich. Tatsächlich gibt es eine bundesdeutsche, eine österreichische und eine schweizerische „Standardvarietät“ der Hochsprache. Wir raten, Teutonismen, Austriazismen und Helvetismen zu vermeiden. Es muss also nicht zwangsläufig die Marille anstelle der Aprikose sein, aber „lecker“ geht gar nicht!

Die Presse

Jedenfalls in die Top-5 gehört aus unserer Sicht der Widerstand gegen den exzessiven Gebrauch des generischen Maskulinums. Bei uns geht nicht nur eine Text-Bild-Schere auf, wenn wir eine Frau im Interview sehen, die sich als Landeshauptmann bezeichnet oder so benannt wird.

Süddeutsche

Es mag sein, dass auch die Gralshüter*innen der Hochsprache die Sitten in Bezug auf das nächste Dogma - unsere Nummer 4 - etwas gelockert haben, wir empfehlen aber eine traditionelle Regelauslegung: „Wo“ nur bei örtlichen Ergänzungen!

3. Wir akzeptieren, dass sich Englisch zu einer modernen Form von Lingua franca entwickelt. Weniger tolerant sind wir beim unkontrollieren Einsatz von Denglisch und Anglizismen. Also: Schuster bleib bei deinen Leisten and don’t stick to your guns!

Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod hat es ja sogar zum Bestseller geschafft. Bei uns reicht es immerhin zum 2. Platz.

GfdS-Rezension

Tatatata, unsere Nummer 1: Der Leideform ein Ende bereiten. Her mit dem Aktiv! „Werden“ in jeder Form gilt bei uns als Signalwort. Das Credo: „Passiv raus, Aktiv rein“. Für eine dynamische Sprache, in der das Handeln und nicht das Erleiden dominiert!