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Stra­tegie braucht einen langen Atem

In einem Mosaik legt man Stein für Stein. So ist es auch in der Kom­mu­ni­ka­tion. Jede Pres­se­aus­sendung, jeder News­letter, jedes Social-Media-Posting trägt zu einem Gesamt­bild bei — die Basis für lang­fristig erfolg­reiche Kom­mu­ni­ka­tion. Teil 2 unserer Blog-Serie zu meinen Lehren aus der Zeit im Ministerium.

Drei Jahre lang war ich in Wien Kom­mu­ni­ka­ti­ons­chef von Sozial- und Gesund­heits­mi­nister Johannes Rauch. In Öster­reichs größtem Minis­te­rium mit damals mehr als 25 Mil­li­arden Euro Budget und einer enormen Breite an Themen: Soziales, Gesund­heit, Pflege, Konsument:innenschutz, Tier­schutz. “Minis­te­rium für eh alles” nannte ich es manchmal scherz­haft. Krisen von Corona bis Teue­rung inklusive.

Stim­mige, lang­fris­tige Kom­mu­ni­ka­tion? Eine große Her­aus­for­de­rung unter sol­chen Rah­men­be­din­gungen. Rasch hat sich ein Satz ein­ge­prägt, den wir drei Jahre lang in allen The­men­be­rei­chen wie­der­holt haben: Da sein für alle, die unsere Hilfe wirk­lich brau­chen. Das war unsere Grund­bot­schaft, unsere poli­ti­sche Erzählung.

Viele Themen, eine gemein­same Erzählung

Im Sozi­al­be­reich liegt diese Bot­schaft auf der Hand: Da sein für Mindestpensionist:innen, für Allein­er­zie­hende, die sich am Monats­ende den Ein­kauf nicht mehr leisten können, für Obdach­lose. Eben für alle, die unsere Hilfe wirk­lich brauchen.

 

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In anderen The­men­fel­dern ist das nicht so nahe­lie­gend. In der Gesund­heits­po­litik hieß es: Da sein für alle, die sich keinen Wahl­arzt leisten können. Eine Gesund­heits­ver­sor­gung auf Kran­ken­schein, ohne Zwei-Klassen-Medizin. Der Minister selbst for­mu­lierte den Slogan “E‑Card statt Kre­dit­karte!”, der genau das ausdrückt.

@johannes_rauch E‑Card statt Kre­dit­karte: Genau das soll die Gesund­heits­re­form jetzt sicher stellen. Damit es künftig weniger War­te­zeiten auf einen Arzt­termin, mehr Kassenärzt:innen, inno­va­tive Gesund­heits­zen­tren und mehr Ange­bote in der Vor­sorge gibt. Nächste Woche geht die Reform ins Par­la­ment. 🤝 #gesundheit #gesundheitsreform #ecard #kassenarzt #arzttermin #gesundheitsminister #gesundheitswesen #fürdich ♬ Originalton - Johannes Rauch

In der Pflege bedeu­tete es: Da sein für die Mitarbeiter:innen, die schon das x‑te Wochen­ende in Folge arbei­teten, weil wieder ein Kol­lege oder eine Kol­legin aus­ge­fallen war. Für Pfle­ge­be­dürf­tige, die drin­gend auf einen Platz im Pfle­ge­heim warteten.

So spannte sich unsere Erzäh­lung über alle The­men­be­reiche. Es war die Grund­bot­schaft unserer Kom­mu­ni­ka­tion über die gesamten drei Jahre im Minis­te­rium. Und weil der Sozi­al­mi­nister und das gesamte Team die poli­ti­sche Arbeit mit vielen Dut­zend Ein­zel­maß­nahmen daran aus­rich­teten, war es eine glaub­wür­dige, authen­ti­sche Botschaft.>

Kon­sis­tente, glaub­wür­dige Bot­schaften definieren

Für mich ist es heute die wich­tigste Lehre aus meiner Zeit im Sozial- und Gesund­heits­mi­nis­te­rium: Es geht nicht um die schnelle Schlag­zeile. Was wirk­lich zählt, ist eine kon­sis­tente, glaub­wür­dige Bot­schaft. Und zwar lang­fristig, immer und immer wieder. So wurde Johannes Rauch zum Minister mit den höchsten Vertrauenswerten.

Wel­ches Bild möchten wir in der Öffent­lich­keit zeichnen? Was sind unsere Kern­bot­schaften? Zu wel­chen Themen wollen wir uns posi­tio­nieren? Welche Werte ver­treten wir? Diese Fragen muss sich Jede und Jeder stellen — in der Politik, in Unter­nehmen, in Organisationen.

Kon­zepte für die Praxis

Viele haben Sorge vor dem Auf­wand, den das bedeutet. Viele Stunden an Work­shops, teure Kon­zepte eines PR-Beraters, womög­lich noch umfang­reiche Markt­for­schung zur Positionierung.

Meine Ant­wort lautet: Es braucht vor allem ein gemein­sames Ver­ständnis von Geschäfts­füh­rung und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­ant­wort­li­chen. Ja, dafür ist ein Work­shop manchmal hilf­reich. Ja, es ist gut, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­tegie und wich­tige Bot­schaften schrift­lich fest­zu­halten: www.pzwei.at/im-anfang-war-das-konzept/

Doch für ein kleines oder mitt­leres Unter­nehmen braucht es keinen mona­te­langen Stra­te­gie­pro­zess und auch kein 100-seitiges PR-Konzept. Es ist sogar besser, ein Kon­zept schlank zu halten, damit es in der Praxis auch gelebt wird.

Tages­ge­schäft und Stra­tegie verzahnen

Im poli­ti­schen Alltag des Minis­te­riums ent­stand dieses gemein­same Ver­ständnis von Kom­mu­ni­ka­tion in den täg­li­chen “Mor­gen­brie­fings”: kurze Bespre­chungen im kleinen Kreis aus Minister, Kabi­netts­lei­tung und mir als Kom­mu­ni­ka­ti­on­ver­ant­wort­li­chem. Dort wurde über inhalt­liche Posi­tio­nie­rungen ent­schieden. Es wurde dis­ku­tiert, welche Themen wir aktiv setzen möchten, welche Medi­en­termine wir planen.

Sehr oft standen die täg­li­chen kleinen Krisen im Vor­der­grund, die in den Medien viel Auf­merk­sam­keit bekamen. Daneben wussten wir aber sehr genau, welche Themen wir lang­fristig selbst gezielt setzen wollten: jähr­liche Erhö­hung (“Valo­ri­sie­rung”) von Sozi­al­leis­tungen, der Ausbau der Pri­mär­ver­sor­gungs­ein­rich­tungen und Kas­sen­or­di­na­tionen, die psy­chi­sche Gesund­heit vor allem von Kin­dern und Jugend­li­chen, die Gesund­heits­re­form, der Wohn­schirm als Instru­ment gegen Obdach- und Wohnungslosigkeit.

 

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Auch in Unter­nehmen ist es wichtig, lang­fris­tige Stra­tegie und schnelles Tages­ge­schäft eng zu ver­zahnen. Im Alltag eines Unter­neh­mens lassen sich so auch gut The­men­pläne erstellen, oft schon Monate im Voraus. Immer mit der Fle­xi­bi­lität, auf kurz­fris­tige Ent­wick­lungen zu reagieren.

Es braucht kon­sis­tente Kom­mu­ni­ka­tion, idea­ler­weise über Jahre hinweg, damit auch von Unter­nehmen ein stim­miges Gesamt­biild ent­steht. Von der Beant­wor­tung eines ein­zelnen Instagram-Kommentars bis zur großen Kam­pagne: All das fügt sich zu einem Gesamt­bild wie bei einem Mosaik, Stein­chen für Steinchen.

 

Kommunikationsstrategie auf einen Blick

  • gemeinsames Verständnis der Entscheidungsträger:innen
  • praxistaugliches Konzept mit Eckpunkten
  • langfristige “Erzählung” mit konsistenten Botschaften
  • Themenplanung kurzfristig und mittelfristig auf Basis der langfristigen Strategie

 

Gespannt? In zwei Wochen geht’s weiter in unserer Blog-Serie -> Profil schärfen: Durch Rei­bung ent­steht Wärme