Pzwei. Blog.

Zehn plus ein Tipps für gute Texte

Feingefühl bei den Formulierungen, Wortwitz, stimmiger Textaufbau: All das macht einen gelungenen Text aus. In einem Blogbeitrag lässt es sich aber nur schwer vermitteln. Doch es gibt einige ganz handfeste Regeln, die wirklich jeden Text lesbarer machen. Fast 30 Jahre Texterfahrung komprimiert auf zehn sehr praxisnahe Tipps.

Oh ja, gute Texte zu formulieren ist schwierig, auch für einen erfahrenen Schreiberling wie mich. Manchmal flutscht es. Aber auch ich plage mich oft mit meinen Texten. Qualität kommt von Qual. Seit fast 30 Jahren.

Für einen Textworkshop bei einem Kunden habe ich meine Regeln nun erstmals zusammengetragen. Die Beispiele stammen alle aus unseren eigenen Presseaussendungen in den vergangenen Wochen. Es gibt schließlich nichts, was wir nicht noch verbessern könnten.

 

1. Schreiben, wie man spricht.

Gedrechselte, viel zu lange Sätze gespickt mit Hauptwörtern und - noch schlimmer - Fremdwörtern. Ebenfalls sehr beliebt: substantivierte Verben. So schreckt man Leser wirkungsvoll ab. Orientieren Sie sich beim Schreiben an der gesprochenen Sprache. Überlegen Sie, wie Sie einem Freund erklären würden, was Sie gerade beschreiben. So bleibt der Text lebendig.

Ein Beispiel: "Niedergelassene Apotheken bieten eine breite Arzneimittelversorgung mit unabhängiger Beratung, mit einem niederschwelligen Zugang und ungleich längeren Öffnungszeiten."

Besser wäre: "Niedergelassene Apotheken bieten ein großes Sortiment, unabhängige Beratung und längere Öffnungszeiten. Die Menschen bekommen ohne Wartezeiten Hilfe bei kleineren Gesundheitsproblemen."

 

2. Zur Sache, Schätzchen.

Was ist das wichtigste, das Sie Ihrem Leser sagen wollen? Wenn Sie nur fünf Sätze Platz hätten, was müsste Ihr Leser unbedingt wissen? Genau diese Informationen packen Sie in Titel, Untertitel und Vorspann. (Der Vorspann ist der kurze Einleitungstext am Anfang.) Wer mehr wissen will, wird weiterlesen. Wer damit schon genug Informationen hat, ist dankbar für die Kürze.

 

3. Jetzt machen Sie mal 'nen Punkt.

Lange Sätze wie dieser sind mühsam zu lesen: "Gemeinsam mit dem Wiener Oberkantor Shmuel Barzilai begibt sich der Gesangsverein Hohenems am Sonntag, den 22. Mai, im Salomon-Sulzer-Saal unter der Leitung von Daniel André Vitek gleich zwei Mal auf eine musikalische Zeitreise."

Viele lange Sätze lassen sich ganz einfach trennen. "Der Gesangsverein Hohenems begibt sich am Sonntag, 22. Mai, gleich zwei Mal auf eine musikalische Zeitreise. Unter der Leitung von Daniel André Vitek gastiert der Wiener Oberkantor Shmuel Barzilai."

Unsere Pzwei-interne Faustregel: Sätze, die länger als zwei Word-Zeilen lang sind, sind höchst verdächtig. Lesenswert zu diesem Thema sind die Einschätzungen von "Texterpapst" Wolf Schneider.

 

4. In einer Wurscht schreiben nur Würschtel.

Romane sind lange graue Textwüsten, oft ohne Absätze. Der Romancier hat seine Leser hoffentlich vom ersten Satz an über seine spannende Erzählung gefesselt. Der Leser hat die Muße, sich dem Text ganz zu widmen.

Falls Ihre Alltagstexte nicht ganz so fesselnd sind, empfehle ich Absätze und Zwischentitel. Sie sind Einstiegspunkte fürs Auge des Lesers, der den Text so leichter "überfliegen" kann - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Gegliederte Texte sind einfach leichter lesbar. Vergleichen Sie einfach mal, welchen Text Sie lieber lesen würden:

Text ohne AbsaetzeText mit Absaetzen Unsere hausinterne Faustregel: Kein Absatz länger als fünf Zeilen, jeden zweiten Absatz ein Zwischentitel.

Zusatztipp: Zeilenlänge begrenzen

Für eine gute Lesbarkeit sollte eine Textzeile (Spalte) nicht länger als 50 bis maximal 60 Anschläge sein - inklusive Leerzeichen. Nur so findet das Auge mühelos zum Beginn der nächsten Zeile.

(Update vom 14.7.2016, Danke an Clemens Theobert Schedler für diesen Hinweis!)

 

5. Aktiv schreiben, passive Formulierungen vermeiden.

Ein aktiver Satz benennt, wer etwas tut. Sätze im Passiv machen den Text dröge.

"Für die Wettbewerbsentscheidung wird eine hochkarätige Jury mit Mitgliedern aus Architektur sowie kommunale Verantwortungsträger und Sachpreisrichter zusammengesetzt."

Kürzer, knackiger und aktiv: "Die Entscheidung trifft eine hochkarätige Jury aus Architekten, Vertretern der Stadt und Sachpreisrichtern."

 

6. Statt sollen, können und müssen einfach tun.

Sogenannte Modalverben (sollen, können, dürfen, müssen) schwächen die Aussage des Satzes. Häufig dienen sie nur dazu, sich vor einer klaren Aussage zu drücken.

"Das Lindauer Unternehmen entwickelt ein Quartier, das Wohnen, Arbeiten und Leben verbinden soll. Im Herbst soll ein Wettbewerbssieger feststehen."

Besser: "Das Lindauer Unternehmen entwickelt ein Quartier, das Wohnen, Arbeiten und Leben verbindet. Im Herbst steht der Sieger des Wettbewerbs fest."

 

7. Wortwiederholungen vermeiden.

Nützen Sie die Vielfalt der deutschen Sprache. Statt etwas sagen kann man etwas erklären, äußern, beschreiben, argumentieren, erläutern, ... Suchen Sie passende Begriffe, nützen Sie die Nuancen der deutschen Sprache. Wenn die Ideen ausgehen: Unter www.duden.de finden sich jeweils auch die Synonyme eines Wortes. Ein persönlicher Favorit von mir ist das Wortschatz-Portal der Universität Leipzig.

 

8. Abkürzungen stören den Lesefluss.

Abkürzungen lassen uns beim Lesen stocken. Wissen Sie, was eine UVP ist? Eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Das ISEK ist das Integrierte Stadtentwicklungskonzept von Lindau. Auch wenn beide Abkürzungen im Text erklärt sind, muss der Leser erst einmal kurz nachdenken: Was war das noch gleich?

Selbst Abkürzungen wie usw., bzw. und d.h. stören den Lesefluss. Sie haben es vermutlich gerade beim Lesen gemerkt. Dabei lassen sich viele Abkürzungen leicht vermeiden.

 

9. Die Rechtschreibprüfung prüft die Rechtschreibung.

Der einfachste und wichtigste Tipp ganz zum Schluss: Benützen Sie die Rechtschreibprüfung ihrer Textverarbeitung. Word, Writer und Co finden heute schon einen großen Teil der Fehler - Rechtschreibung, Beistrichsetzung und Grammatik inklusive.

In einem Text, den ich gestern zum Redigieren am Tisch hatte, fand sich das schöne Wort "Kuhlocken". Es hätte "Kuhglocken" heißen sollen. Und ich hab es überlesen.

 

10. Break the rules! 🙂

Wenn Sie gute Gründe haben: Verwerfen Sie die neun oben angeführten Regeln. Wenn Sie keine guten Gründe haben, halten Sie sich dran.

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